Gesetzliche oder private Krankenversicherung? –  ein  Praxiskommentar

Die Entscheidung für die private oder gesetzliche Krankenversicherung ist eine Entscheidung mit weit reichenden Konsequenzen. Ist der Wechsel in die private Versicherung erst einmal vollzogen, so lässt sich dieser Schritt zu einem späteren Zeitpunkt nur schwer wieder rückgängig machen. Insofern sollte diese Entscheidung gut überlegt sein, da beide Varianten in Abhängigkeit von der persönlichen Situation Vor- und Nachteile haben können.
Ich selber stand damals vor 30 Jahren mit Frau und 3 Kindern vor der Entscheidung, ob wir mit der Familie in die private Versicherung wechseln sollen oder nicht. Auch damals schon war der Wechsel in die private Versicherung mit einer großen Familie sehr teuer und so bin ich mit meiner Familie in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben.
Diese Entscheidung war aus meiner Sicht auch eine Wette auf den fehlenden Reformwillen und die Reformunfähigkeit der Politik, das Problem der Entwicklung der Krankenversicherung zu einem 2 – Klassensystem nicht in den Griff zu bekommen. Ein Wechsel zurück in die günstigere gesetzliche Versicherung war aus damaliger Sicht bereits schwierig.
Insofern hat sich dieser Teil auch bis heute bewahrheitet und die damalige Entscheidung aus heutiger Sicht als richtig eingestuft, denn ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wäre heute für mich kaum noch möglich und würde mir teuer zu stehen kommen. Insofern steht es mir heute als gesetzlich Versicherter offen, ob ich noch in die private Krankenversicherung wechsel oder aber zu der bestehenden gesetzlichen Versicherung eine Zusatzversicherung abschließe, die dem Leistungsumfang einer privaten Versicherung nahe kommt.
Die von mir skizzierte Entscheidung basiert auf der damaligen familiären Situation. Für einen Junggesellen, der keine weiteren Familienmitglieder mitversichern muss, kann es durchaus lohnenswert sein, einen frühen Wechsel in die private Versicherung vorzunehmen. Diese Vorteilhaftigkeit kann sich natürlich bei Heirat und Kindern ins Gegenteil umkehren, da die private Krankenversicherung für weitere Familienmitglieder in der Regel nicht kostenfrei ist.
Im Folgenden möchte ich die aus meiner Sicht jeweiligen Vor- und Nachteile der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung kurz darstellen. Diese Aufzählung ist selbstverständlich nicht abschließend, sondern basiert zum Teil auf meiner persönlichen Erfahrung.  
 
Gesetzliche Krankenversicherung:
·         hohe Verwaltungskosten
·         keine Kostenkontrolle über die abgerechneten Gebühren
·         Missbrauch durch Verkauf oder Verleih von Versicherungskarten, dadurch existieren in Deutschland zahlreiche „Schwarznutzer“, die keine Beiträge bezahlen
·         2 – Klassen – Gesundheitssystem, privat Versicherte werden bevorzugt
·         unter Umständen beitragsfreie Mitversicherung für Familienangehörige
  
Private Krankenversicherung
·         niedrigere Versicherungsbeiträge bei höheren abgerechneten Behandlungsgebühren
·         niedrigere Verwaltungskosten
·         transparentere Behandlungsabrechnungen
·         größerer Leistungsumfang
·         Zusatzversicherung für Familienmitglieder kostspielig
·         ab einem Alter von 55 Jahren grundsätzlich kein Wechsel mehr in die gesetzliche Krankenversicherung möglich 
·         bevorzugte Behandlung bei der Vergabe von Arztterminen
Insoweit ist die Entscheidung für oder gegen einen Wechsel in die private Krankenversicherung von einer Reihe persönlicher Faktoren, insbesondere auch von der persönlichen Zukunftsplanung abhängig.
Ein Wechsel ist auch immer mit einer Reihe von Risiken verbunden. Der Wechsel in die private Versicherung beinhaltet zudem auch die Annahme, dass die hohen Beiträge im Alter keine persönliche Härte darstellen werden und dass das jetzige System in seiner Trennung von privater und gesetzlicher Versicherung bestehen bleibt und die privaten Kassen nicht irgendwann in die gesetzliche Versicherung zwangseingegliedert werden.  
Die Entscheidung für die richtige Versicherung ist grundsätzlich erst einmal bindend und deshalb nicht einfach. Insbesondere kann sich die ehemals vermeintlich richtige Entscheidung ins Gegenteil verkehren, wenn sich das Leben in eine andere Richtung entwickelt als bislang geplant. Dann ist es unter Umständen schwierig, die einmal getroffene Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Überlegen Sie also gut und informieren Sie sich ausreichend über die verschiedenen Alternativen, insbesondere über Beitragssätze, den Leistungsumfang, die Mitversicherung von Familienmitgliedern und was im Falle eines Wechsels zurück in die gesetzliche Versicherung auf Sie zukommt. Wenn Sie hierzu Unterstützung benötigen, so stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Seite.

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